Was passiert bei Stress in unserer Zelle?

Was passiert bei Stress in unserer Zelle?

Was passiert bei Stress in unserer Zelle?

Gerade vor Weihnachten ist es mir wichtig, dass wir genauer darauf schauen, was bei Stress eigentlich wirklich in unserem Körper passiert.

Wie ich schon im Beitrag „Strategien zu mehr psychischer Widerstandskraft“ erwähnt habe, hat Stress durchaus auch eine wichtige Funktion. In der Steinzeit, als noch Säbelzahntiger angriffen, konnte Stress Leben retten. Durch das Ausschütten der Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden unser Gehirn und unsere Muskeln mit Energie versorgt. Unserer Vorfahren konnten so schnelle Entscheidungen treffen, Flucht oder Angriff. Auch heutzutage kann Stress hilfreich und sogar immunstärkend wirken.

Was passiert aber, wenn der Stress nicht aufhört?

Warum fühlen wir uns dann müde, energielos und reagieren anfälliger auf Krankheitserreger?

Wir haben ca 100 000 000 000 000 (14 „0“!) oder 100 Billionen Zellen in unserem Körper. Zum Glück haben wir so viele davon, denn bei einem erwachsenen Menschen sterben ca 50 Millionen Zellen in der Sekunde ab und werden aber auch ständig erneuert.

Stellen Sie sich vor, in jeder unserer Zelle gibt es mehrere kleine Kraftwerke, die Mitochondrien. Auf dem Bild (Quelle: Fachdidaktik Biologie 2015/16, der Mensch als Ökosystem) kann man die kleinen Kraftwerke gut erkennen. Es gibt ungefähr 1000 Mitochondrien pro Zelle. Ohne diese kleinen Mitochondrien wäre kein Leben möglich. Aus den Abbauprodukten der Nahrung wird hier unsere Energie erzeugt. Vorher müssen die Moleküle so zerkleinert werden, dass sie in die Zelle überhaupt transportiert werden können. Dazu dienen die Enzyme, die wiederum Mikronährstoffe benötigen (letzter Beitrag). Für den Transport sorgen dann „Taxis“, damit die Abbauprodukte in den Mitochondrien zusammen mit Sauerstoff zu Energie (ATP), Wasser und Kohlenstoffdioxid umgewandelt werden.

Wussten Sie, dass Sauerstoff in hohen Konzentrationen giftig ist?

Roy Walford, ein amerikanischer Immunbiologe, hat einmal scherzhaft dazu bemerkt: „Es ist nicht jedem gegenwärtig, dass der Sauerstoff in unserer Atmosphäre ein sehr giftiges Gas ist. Außerirdische Wesen von einem Methan-Planeten würden an dem Stoff, den wir so beiläufig einatmen, ersticken und sterben. Er lässt Eisen rosten, ist an der Zerstörung von Granitblöcken beteiligt und nimmt an jedem Feuer in der Stadt teil, trotzdem leben wir darin und lieben ihn! Wahrscheinlich haben galaktische Wesen sich deswegen noch nicht gezeigt. Sie kommen zur Erde, um diese zu untersuchen, und nehmen dabei eine Prise Luft. Verflixt nochmal! Überall Sauerstoff! Besser, man überlässt diese zähen Erdteufel sich selbst!“ aus Gesünder mit Mikronährstoffen von Dr. Bodo Kuklinski

Ein freies Sauerstoffatom würde unsere Zelle zerstören. Daher gibt es raffinierte Transportsysteme. Der Sauerstoff wird im Blut vom Hämoglobin in den roten Blutkörperchen übernommen und „eingesperrt“, damit er ohne Unheil anzurichten bis in die Mitochondrien gelangen kann. Sollte der Sauerstoff aber trotzdem ausbrechen, nimmt das rote Blutkörperchen für alle Fälle die Enzyme „Glutathionperoxidase“ und „Katalase“ auf die Reise mit. Diese können sofort ein frei gewordenes Sauerstoffatom neutralisieren.

Was hat das mit Stress zu tun?

Freie Radikale sind besonders reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen und wollen anderen Molekülen oder Atomen Elektronen entreißen. Diese werden dann oxidiert und  selber zu freien Radikalen. Die Radikalfänger verhalten sich anders. Sie geben ein eigenes Elektron ab, ohne instabil zu werden und können so die Kettenreaktion unterbrechen, die sonst unsere Zellen zerstören würde. Das Antioxidans Vitamin C zum Beispiel fängt ein Elektron ab, bleibt stabil und kann auf diesem Weg den Körper wieder verlassen.

Freie Radikale haben aber auch sinnvolle Funktionen, sie greifen Krankheitserreger, wie Viren und Bakterien an. Wenn unser Gleichgewicht zwischen Radikalen und Radikalfängern gestört ist, also zu viele freie Radikale vorhanden sind, spricht man von einem oxidativen Stress. Obwohl unser Körper unglaubliche Mechanismen zur Schädigungsbegrenzung bereitstellt, können bei zu viel Stress die Radikalfänger (Antioxidantien) nicht mehr genügend neutralisierend eingreifen.

Dieser Vorgang wird auch durch psychischen Stress begünstigt.  Gerade bei Menschen, die schon krank sind oder unter einer chronischen Erkrankung leiden, ist es umso wichtiger auf ein gesundes Verhältnis zwischen freien Radikalen und Radikalfänger zu achten. Die richtige Ernährung und die optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ist hierfür einer der wichtigsten Voraussetzungen, wie ich im letzten Beitrag geschrieben habe. Eine psychische Ausgeglichenheit, ist eine essentielle Grundlage für ein gesundes Leben. Bewegung brauchen wir, damit unsere kleinen Kraftwerke, die Mitochondrien überhaupt ausreichend arbeiten können.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag helfen konnte, achtsamer mit dem eigenen Körper umzugehen, an die Wunder zu erinnern, die ohne Pausen in unseren Zellen vor sich gehen und, dass Sie die vorweihnachtliche Zeit mit mehr Gelassenheit und Freude erleben können.

Eine wunderschöne Adventzeit,

wünscht Ihnen Ihre Apothekerin

Caro Frauendorfer