Die Geschichte von den zwei Mangobäumen

Die Geschichte von den zwei Mangobäumen

Die Geschichte von den zwei Mangobäumen

Heute möchte ich eine von Buddhas Geschichten (leicht verändert und gekürzt) erzählen, die mich sehr bewegt hat.
Am Ende der Geschichte erzähle ich auch warum.

Eines Tages kam ein mächtiger König mit seinen Soldaten an einem Weg mit zwei Mangobäumen vorbei. Einer der Bäume trug so viele duftende Mangos, dass er fast unter dieser Last zusammenzubrechen drohte. Der andere Baum hingegen trug keine einzige Frucht. Diesen betrachtete der König gar nicht.
Sein Plan war es sich zuerst im Palast umzuziehen und später die Mangos zu pflücken und zu verspeisen.
Als der König zu den Bäumen zurückkehrte, stellte er zu seinem Bedauern fest, dass der fruchttragende Baum inzwischen abgeerntet war. Seine Soldaten hatten sich gleich über die herrlichen Mangos hergemacht. Aber schlimmer noch: An diesem Baum waren jetzt so viele abgebrochenen Äste und kaum mehr Blätter, dass er ganz verkümmert und kränklich wirkte. Der andere Baum hingegen, der keine Früchte getragen hatte, war unberührt geblieben und sah jetzt gesund und stark aus.
Am nächsten Tag dankte der König ab und wurde Mönch.
Er dachte, dass es einem mächtigen König genauso wie dem fruchttragenden Mangobaum ergehen kann. Früher oder später hätten seine Gegner ihm etwas angetan oder gar getötet. Also ist es besser nicht mehr zu besitzen als ein Mönch, auf dieser Weise würde er leben können, stark und gesund sein, wie jener Baum ohne Mangos.

Ich lese gerade ein wunderschönes Buch „Wie Kinder heute wachsen“ von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther, in dem die Entwicklung eines Kindes mit der eines Baumes verglichen wird. Genauso wie ein Baum braucht ein Kind starke, tiefe und im besten Fall weit verzweigte Wurzeln um Stürmen Stand halten zu können.
Ich glaube, dass wir Eltern oft zu viel von unserer Erziehung erwarten. Unsere Kinder sollen für das Leben da draußen gerüstet sein, am besten mit einer strengen Schulerziehung, vielen Sportverpflichtungen, Musikstunden, gutem Benehmen...... Doch das wichtigste ist, dass wir unseren Kindern helfen, sich stark zu verwurzeln. Wir können ihnen die Verbundenheit geben und das Gefühl, dass es nicht wichtig ist, wie viele Früchte man trägt, sondern dass man sich gesund und stark fühlt.